die andere richtung

ich glaube, mit meinem kopf, meinem hirn stimmt etwas nicht. kurz zu den voraussetzungen: die ukraine ist ein freies land und muss es auch weiterhin sein. niemand hat das recht, die ukrainer:innen anzugreifen. was der russische präsident und das russische militär tun, ist völkerrechtswidrig. daran besteht aus meiner sicht kein zweifel. deshalb geht es auch nicht darum, einzelne aktionen dieses angriffskriegs als kriegsverbrechen zu verfolgen – diese ganze krieg ist ein verbrechen. und diejenigen, die ihn angeordnet haben und führen, müssen zur rechenschaft gezogen werden. aus meiner überzeugung heraus reicht diese verantwortung übrigens bis hinunter zu jeder einzelnen soldatin und jedem einzelnen soldaten. und die verantwortung gilt natürlich erst recht für alle offizier:innen und kommandeur:innen. was im moment geschieht, ist, dass den individuen, die von diesem krieg betroffen sind, unermessliches leid geschieht. meine ethische überzeugung ist dabei, dass es die aufgabe der politiker:innen ist, gerade für die minimierung individuellen leides der ihr anvertrauten bürger:innen zu sorgen. individuelles leid reduzieren, individuelle entfaltungsmöglichkeit fördern, das halte ich für die grundaufgaben von verantwortungs- und machtträger:innen. und genau an dieser stelle des nachdenkens geht in meinem kopf etwas ganz seltsames vor. irgend etwas treibt mein denken in eine andere richtung, als die des summens und brummens, das ich aus den meisten medien vernehme. einer droht mit krieg und beginnt diesen als angriffskrieg, völkerrechtswidrig, mit herbei gelogenen argumenten von der verfolgung der pro-russisch eingestellten bürger:innen der ukraine, eines russischen brudervolks. und jeder einzelne abschuss einer eingesetzten waffe schafft bei einem treffer individuelles leid und zerstört güter („güt-er“ wie maschinen, wohnhäuser, gesundheitseinrichtungen, kraftwerke, straßen und und und… natürlich auch waffen – schon klar, also auch „un-güter“… oder müsste es „bös-er“ oder „schlecht-er“ heißen). wie dem auch sei. individuelles leid wird gemehrt statt vermindert oder gar verhindert. nun aber: nach militärisch-strategischem denken muss auf den angriff eine reaktion erfolgen – nicht aber um individuelles leid zu mindern, sondern um gegenwehr zu leisten und die staatliche souveränität aufrecht zu erhalten (ich betone: eine souveränität, die ich ausdrücklich an keiner stelle in frage stelle! sie ist völkerrechtlich klar gegeben. und kein staat darf einen anderen überfallen. charta der un, kapitel 1, artikel 2, absatz 4 – https://unric.org/de/charta/#kapitel1). vielleicht höre ich gerade nicht richtig hin, oder die stimmen sind zu leise. aber mir scheint, als höre ich nur politiker:innen (sogar meiner eigenen friedens-orientierten und nach gewaltlosigkeit strebenden partei), die dazu aufrufen, miltärischen widerstand zu leisten – weil natürlich das recht zu territorialer verteidigung vorhanden ist. doch auch die gewaltsame verteidigung vermehrt das individuelle leid. ich frage mich: was, ja, was würde denn geschehen, wenn die menschen nicht militärisch dagegen halten, nicht zu den waffen greifen und das feuer erwidern, keine gewalt anwenden. die ersten antworten sind naheliegend. für die ukraine hieße das: die russischen Soldat:innen kommen und besetzen wichtige teile und einrichtungen des landes. wladimir putin würde vermutlich die ukraine annektieren. doch vermutlich würden dann keine (oder zumindest nur ein bruchteil der) schüsse fallen. sehr wenige menschen müssten vermutlich sterben und vermutlich nur ganz wenige güter würden zerstört werden. ich glaube nicht, dass die bevölkerung vertrieben würde. aber: sicherlich müsste sich die aktuelle regierung und speziell präsident wolodymyr selenskyj in sicherheit bringen und eine exilregierung bilden. über weitere konsequenzen zu schreiben traue ich mich an der stelle auch nicht. denn ich bin kein bürger der ukraine. ich weiß nicht, wie die weitere zukunft dann aussehen kann. die un würde dieses agieren aber niemals auf sich beruhen lassen – und wohl auch kein:e ukrainische bürger:in. vermutlich würden alle demokratischen staaten alles in ihrer macht stehende tun, um die ukraine wieder in den status eines souveränen staats, selbst regierten staates zu überführen. aber wie lange könnte das dauern? stelle ich mir das für deutschland vor: russisches militär würde deutschland überfallen – was für eine eine schreckliche vorstellung. aber trotzdem: ich würde wollen, dass individuelles leid so klein wie möglich gehalten wird, dass niemand – gar niemand, nicht auf meiner seite, nicht auf gegnerischer seite sterben muss und verletzt wird. denn all diese gewalt ist sinnlos. die freiheit muss ohne gewalt verteidigt werden. und ich glaube noch immer fest daran, dass der frieden (nicht nur der waffenstillstand) und die gewaltlosigkeit das erstrebenswerte gut ist. und ich will, das niemand für sein land sterben muss. ich will, dass alle gut leben können und wir einander helfen. und ich will – ich wünsche mir so sehr, dass diese ganz stillen (im gegensatz zu kampf, gebrüll und gewalt) werte sich durchsetzen – und das kein mensch – und dann auch kein staat oder staatsmann und keine staatsfrau – angst vor einem anderen haben muss. aber selbst dann, wenn eine minderheit kämpft und eine mehrheit nicht-kämpft, hilft und versorgt, dann ist das der richtige weg. das ist nur meine bescheidene meinung – vielleicht bin ich auch fehlgeleitet, damit muss ich dann leben – und wohl irgendwann auch sterben. und ja klar, ich weiß, ich bin nicht der erste, der so etwas denkt – schon klar. da verweise ich sehr gerne auf menschen wie henry david thoreau. aber ich dachte, so etwas ist doch wieder einmal einen eintrag in meinem blog wert – und vielleicht sogar not-wendig.

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